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Innerhalb von 15 Minuten kostete Benzin 26 Cent mehr – so erlebten wir das Ende des Tankrabatts an einer Berliner Tankstelle
Zusammenfassung:Reporter Tristan Filges an der Tankstelle in Berlin-Spandau.Lisa KempkeDer Tankrabatt ist Geschichte
Reporter Tristan Filges an der Tankstelle in Berlin-Spandau.
Lisa Kempke
Der Tankrabatt ist Geschichte. Am 01. September fielen die Vergünstigungen für Diesel (17 Cent) und Super (35 Cent) weg.
Wir waren in Berlin-Spandau an einer Tankstelle und haben die Preise beobachtet. 15 Minuten nach Öffnung der Tankstelle schnellten die Preise nach oben. Diesel kostet auf einen Schlag 8 Cent mehr, Super sogar 26 Cent.
Die Menschen vor Ort sind frustriert und ärgern sich, nicht in den letzten Tagen getankt zu haben – bei anderen zahle sowieso das Unternehmen.
Die Straßen in Berlin sind um halb sechs Uhr morgens schon voll. Die Leute sind auf dem Weg zur Arbeit, Eltern bringen ihre Kinder in die Kita und Handwerkerinnen und Handwerker fahren zu den ersten Aufträgen. Doch die Fahrt zum Ziel war für alle, die ins Auto stiegen, am Donnerstag teurer: Der vom Staat subventionierte Tankrabatt endet. Konnte man gestern noch rund 25 Cent pro Liter Super und 17 Cent pro Liter Diesel sparen, fällt die Vergünstigung am 01. September weg.
Die Frage, die sich Autofahrer in den letzten Tagen gestellt haben, war, wie schnell die Preise wieder ansteigen. Experten vom ADAC rechneten „nicht mit sprunghaftem Anstieg. Wir sind zu einer Tankstelle in Berlin-Spandau gefahren, die um 06:00 Uhr morgens geöffnet hat. Dort haben wir beobachtet, wie sich die Preise entwickeln und mit den Menschen vor Ort gesprochen. Schon nach wenigen Minuten wurden die Autofahrer und wir überrascht.
Als wir im Morgengrauen an der Tankstelle „Sprint“ ankommen, brennt nur in der Tankstelle ein Licht. Um fünf nach sechs geht es allerdings los und die Preisanzeige springt an. Nach und nach erscheinen die Preise für Benzin, Super und Co – und die sind günstiger, als wir erwartet hätten. Der Liter Diesel kostet „nur” 2,08 Euro, pro Liter Super muss man 1,87 Euro zahlen, Super E10 kostet 1,81 Euro. Preise, die in etwa das Niveau der letzten Tage widerspiegeln.
Nach 15 Minuten springen die Preise um
Das scheint nicht nur uns aufgefallen zu sein. Innerhalb weniger Minuten stehen an der Tankstelle zahlreiche Autos, Transporter und LKWs. Taxi-Fahrerin Arzu Canoglu, die zum Tanken gekommen ist, ärgert sich trotzdem über die hohen Preise und auch, dass sie nicht in den letzten Tagen noch getankt hat. „Hab es einfach verschwitzt. Ich dachte, der Tankrabatt endet erst am 01. Oktober, sagt sie zu uns. Seit 04:00 Uhr sei sie im Einsatz und suche schon lange nach einer günstigen Tankstelle. An einer anderen Tankstelle lag der Preis für Super E10 schon bei 2,20 Euro, das wäre ihr deutlich zu viel gewesen. Vor fünf Tagen habe sie noch 1,57 Euro bezahlt sie.
Kurz darauf hebt sich aber die Laune der Taxifahrerin. „Guckt euch mal jetzt die Preise an“, sagt sie, „da hab ich ja doch Glück gehabt.” Und tatsächlich, die Preise haben sich geändert – und wie. Jetzt kostet der Liter Diesel 2,16 Euro (plus 8 Cent), Super 2,13 Euro (plus 26 Cent) und Super E10 2,07 Euro (plus 26 Cent). Da hat Canoglu bereits ihren günstigeren Sprit bezahlt.
Die Tankstelle in Berlin-Spandau.
Lisa Kempke
Doch wie kann es zu diesem sprunghaften Anstieg kommen? Nachfrage beim Kassierer der Tankstelle. Die Preise zu Beginn seien noch die Preise vom Vorabend, erst nach zehn bis fünfzehn Minuten würden sie angepasst werden. Allerdings wurden nicht nur hier die Preise angepasst, zeigt eine tagesaktuelle Auswertung von 400 Tankstellen der Deutschen Presse Agentur mithilfe der Spritpreis-Daten des ADAC. E10 kostete am Donnerstagmorgen bei einem Großteil der untersuchten Tankstellen mehr als 2 Euro. Der Dieselpreis lag bei einem Großteil der Tankstellen deutlich jenseits von 2,10 Euro, teils auch bei mehr als 2,30 Euro.
Tankstelle leert sich
Die steigenden Preise machten sich vor Ort auch sofort bemerkbar. Unsere Tankstelle wurde nun deutlich seltener angesteuert. Außerdem fiel auf: Wenn jemand tankte, dann in der Regel Handwerker, Müllabfuhr oder LKW-Fahrer. Arbeitnehmer, die die Spritrechnung nicht selber zahlen müssen.
Einer davon ist Toulatos Roman, der es am Mittwoch schlichtweg nicht mehr geschafft habe zu tanken. Allerdings würde er seinen LKW sowieso viermal die Woche volltanken müssen, da mache es keinen allzu großen Unterschied, sagt er uns. Obwohl sein Chef den Sprit zahlt, ist er über die hohen Preise erstaunt, auch wenn diese Tankstelle in der Regel günstig sei. Vergangene Woche habe er hier noch 1,89 Euro für den Liter Diesel gezahlt.
Toulatos Roman ist LKW-Fahrer und tankt für mehr als 1000 Euro seinen Brummi voll.
Lisa Kempke
Anders ist das bei Michaela Rühlow. Sie muss den Sprit selbst zahlen und hatte wenig Auswahl beim Preis. Denn ihr Auto ist ein Mietwagen, den sie vollgetankt zurückgeben muss. Sie ist auf dem Weg, ihr eigenes Auto aus der Werkstatt abzuholen. Von dem Tankrabatt habe sie in den vergangenen Monaten nicht allzu viel gemerkt, sagt die Berlinerin: „Die Preise sind doch trotzdem extrem hoch.“ Was sie außerdem ärgert: Bei Einführung des Tankrabatts hätten die Tankstellenbetreiber gesagt, sie müssten erst noch den teuren Sprit verkaufen und hätten die Preise erst nach ein paar Tagen gesenkt. „Jetzt scheint der günstige Sprit schon verkauft zu sein”, sagt Rühlow und lächelt bitter.
Michaela Rühlow muss ihren Mietwagen volltanken.
Lisa Kempke
„Ick fahr immer nach Polen mit meinem Auto
Kurz danach hält ein Müllwagen aus der Flotte der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) und Marco tankt den Wagen voll. In diesem Moment sei ihm der Preis egal, sagt er zu uns, zahle ja der Betrieb und das Fahrzeug müsse ja vollgetankt werden. „Ick fahr immer nach Polen mit meinem Auto. Das sind nur 64 Kilometer und lohnt sich bei den Preisen dort. Beim letzten Mal habe er dort nur 1,64 Euro für den Liter Diesel gezahlt.
Marcos Müllwagen verbraucht 116 Liter pro hundert Kilometer.
Lisa Kempke
Nadja, eine junge Mutter von zwei Kindern, hofft hingegen, dass sich die Preise trotz Ende des Tankrabatts noch einpendeln werden. „Ich hätte gerne gestern noch getankt, aber hab es zeitlich schlichtweg nicht geschafft“, sagt sie. Voll tankt Nadja das Auto jetzt aber nicht. „Ich hoffe, dass die Preise am Nachmittag vielleicht etwas fallen.”
Nadja hat gerade ihre Tochter zur Schule gebracht.
Lisa Kempke
Ob das so kommen wird, ist schwer einzuschätzen. Christoph Plöhn, der Pächter der Tankstelle, erklärt uns, dass er die Preise von dem Unternehmen gestellt bekomme. Mit weniger Kunden rechne er jedoch nicht: „Mit Einführung des Tankrabatts wurde auch gesagt, dass mehr Kunden kommen würden. Gekommen sind die nicht. Warum sollten also jetzt weniger Kunden kommen? Gestern hingegen kamen deutlich mehr Menschen zum Tanken, sagt er. Die glücklichsten Sparfüchse vor 6.15 Uhr.
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